Schulterschmerzen sehne eingeklemmt

„Die Operation ist das Verfahren mit der höchsten Erfolgschance. Sie ist in etwa 95 Prozent der Fälle wirksam, aber sie bringt auch das höchste Komplikationsrisiko mit sich“, so Loew. „Eine OP ist nur dann sinnvoll, wenn Kalkdepots sehr groß sind oder aber, wenn die Schmerzen sehr heftig sind und es dem Patienten trotz Behandlung nicht besser geht“, sagt Brunner. In etwa einem von 20 fällen raten Ärzte zur Operation. Hinzu kommt: „Der Kalk kann kommen und von selbst wieder gehen“, sagt Brunner. Die Erkrankung kann in jedem Stadium zum Stillstand kommen oder abheilen. „Daher sollte nicht vorschnell operiert, sondern etwa drei Monate lang konservativ therapiert werden“, rät Hochholz.

Wenn die Schmerzen zu stark werden, vermeiden die Patienten jede Bewegung, um die Schulter zu schonen – dann droht das Gelenk steif zu werden. Bewegungseinschränkungen in der Abspreizung als auch in der Drehbewegung der Schulter sind eine mögliche Folge.

Die Schulter ist so anfällig für Verletzungen und Verschleiß, weil sie nicht von Knochen, sondern von Bändern, Muskeln und Weichteilen gehalten wird. Sehr häufig kommen Verkalkungen an der sogenannten Rotatorenmanschette vor. Dies ist ein Komplex aus vier Muskeln, die vom Schulterblatt zum Oberarm ziehen und den Gelenkkopf in der Gelenkpfanne des Schulterblatts zentrieren. „Diese Muskelgruppe verläuft eng zwischen zwei knöchernen Strukturen, dem Schulterdach und dem Oberarmknochenkopf, und wird dadurch bei vielen Bewegungen eingeklemmt“, erklärt Markus Loew, Facharzt für Orthopädie an der Atos-Klinik in Heidelberg.

„Wenn man den Kalk wirklich ausräumen will, gibt es zwei Optionen“, sagt Brunner, „zum einen das Needling, zum anderen die Operation.“ Beim Needling schiebt der Arzt eine Nadel unter Ultraschall-Kontrolle in den Kalkherd vor. Flüssigkeit wird mit hohem Druck hineingespült, damit der Kalk in Bewegung kommt. Dadurch lockern und lösen sich die Kalkansammlungen und können nachfolgend abgesaugt werden. Diese Technik wird aber nur selten angewandt, da sie sehr unangenehm ist.

Die Kalkdepotentfernung per Operation erfolgt als Arthroskopie, also gewissermaßen durchs „Schlüsselloch“. Der Chirurg kerbt die Sehne dabei längs wie ein Knopfloch ein und saugt dann den Kalk mit operativen Instrumenten ab. Der Schnitt heilt danach von selbst.

„Wenn die akuten Schmerzen im Vordergrund stehen, dann sind vor allem entzündungshemmende Medikamente sinnvoll“, rät Loew. „Tabletten lassen sich deutlich einfach einnehmen, wirken jedoch auf den ganzen Körper“, erklärt Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung der Apothekerverbände in Berlin. Sie verweist darauf, dass manche Wirkstoffe leicht den Magen reizen. Generell sollten Schmerzmittel nicht länger als drei Tage am Stück und nicht häufiger als zehnmal im Monat ohne ärztlichen Rat eingenommen werden. Außerdem wird versucht, die Durchblutung durch Physiotherapie anzuregen. Das soll den Abtransport des Kalkes befördern und die Beweglichkeit wieder herstellen.

„Die oberste Sehne, die Suprapinatussehne, ist besonders häufig von Verkalkungen betroffen“, erklärt Ulrich Brunner, Präsident der Deutschen Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie. „Wodurch die Verkalkung entsteht, weiß man nicht ganz genau“, sagt Loew, „eine Vermutung ist, dass dies mit der schlechten Durchblutung dieser Region zusammenhängt.“ Eine chronische Mangeldurchblutung des Sehnengewebes verursacht einen Sauerstoffmangel im Ansatzbereich der Rotatorensehnen. Wegen des Mangels an Sauerstoff wandeln sich Sehnenzellen in Kalkzellen um.

Die Schulter besteht nicht aus einem einzigen beweglichen Verbindungsstück zwischen zwei Knochen, sondern aus mehreren Teilgelenken. Sie ist das beweglichste Gelenk im Körper – und neben dem Knie auch das komplizierteste. Bei einer sogenannten Kalkschulter gibt es Ansammlungen von Kalk in und auf den Schultersehnen.

Eine weitere Therapiemöglichkeit ist die Stoßwellentherapie. Sie wird oft eingesetzt, wenn die Beschwerden wiederkehren. Das Gerät wird dafür direkt am Kalkherd angesetzt. „Dabei werden akustische Wellen unter hohem Druck als Stoßwellen ins Gewebe geschickt“, erklärt Loew. Dort verbreiten sich die Wellen bis zur Schmerzzone. An der Grenzschicht zum kranken Gewebe sollen die Wellen wirken und die Ablagerungen zertrümmern. „Die Chancen auf einen Erfolg der Therapie liegen hier etwa bei 60 Prozent“, erklärt Loew.

Auch die Behandlung der Schultersteife erfolgt in drei Phasen und ist an den Verlauf der Erkrankung angepasst. Zunächst werden schmerzlindernde Entzündungshemmer verabreicht, die die erste Phase begleiten. Anschließend wird die Beweglichkeit der Schulter mit Physiotherapie und Manueller Therapie verbessert. Wenn der Patient durch die Bewegungstherapien keine Verbesserungen verspürt, kann der behandelnde Arzt eine Arthroskopie durchführen. Der minimalinvasive Eingriff steigert die Beweglichkeit des Patienten deutlich. Ist die Schultersteife überstanden, folgt zumeist eine Physiotherapie. Sie soll eine dauerhafte Beweglichkeit der Schulter gewährleisten.

Das Impigement-Syndrom (auch Engpass-Syndrom) ist eine häufige Erkrankung der Schulter. Etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung ist davon betroffen. Dabei werden Sehnen oder Muskeln im Gelenk eingeklemmt. Das Syndrom führt zu einer abnutzungsbedingten Veränderung des Gelenks, die die Bewegung des Patienten massiv einschränkt. Hauptsächlich kommt die Erkrankung im Schulterbereich vor. Die Krankheit tritt in zwei Varianten auf: als primäres Outlet-Impingement-Syndrom, bei dem eine Veränderung der knöchernen Strukturen vorangeht sowie als sekundäres Non-Outlet-Impingement-Syndrom als Folge einer vorangegangenen Krankheit, etwa einer Schleimbeutelentzündung (Bursitis).

Auch die Ursache für Schulterschmerzen zu finden, ist nicht leicht. Grund dafür ist der komplexe Mechanismus der Schulter: In diesem Bereich des Körpers greifen viele Muskeln, Bänder, Sehnen und Knochen ineinander. Das macht es schwierig herauszufiltern, welcher Teil genau die Ursache für die Schmerzen ist. Um zur konkreten Diagnose zu kommen, ist das Zusammenspiel aus einer eingehenden komplexen klinischen Untersuchung mit vielfältigen Tests und bildgebenden Verfahren nötig.

Frozen Shoulder oder auch die Schultersteife ist eine lange andauernde Krankheit. Je nach Form, hat sie unterschiedliche Ursachen: die primäre Schultersteife tritt spontan auf, während die sekundäre Form durch das Rotatorenmanschettensyndrom oder einen vorangegangenen Bruch hervorgerufen wird. Die Diagnose erfolgt über die Krankheitsgeschichte, eine klinische Untersuchung sowie bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Röntgen. Beide Formen der Krankheit verlaufen in drei Phasen: In der ersten Phase verspürt der Patient starken Schmerzen der Schulter, überwiegend in Ruhephasen. Diese gehen in der zweiten Phase zurück. Stattdessen kommt es zu einer zunehmenden Versteifung der Schulter. Diese Phase kann bis zu zwölf Monate andauern. Schließlich geht die Versteifung der Schulter in der letzten Phase allmählich zurück. Der Prozess kann weitere zwölf bis 36 Monaten dauern.

Frozen Shoulder (Schultersteife)

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Bei der Untersuchung sucht der behandelnde Arzt zunächst nach direkt sichtbaren Auffälligkeiten. Anschließend wird die Schulter abgetastet. Dabei achtet der Arzt besonders auf Schmerzempfindlichkeiten und Spannungen. Schließlich führt er diverse Funktionstests durch, um etwaige Sehnenrisse oder Instabilitäten der Gelenke aufzuspüren. In der Regel wird dabei auch der sogenannte „schmerzhafte Bogen“ getestet. Treten dabei Schmerzen auf, können auch eine Schleimbeutelentzündung (mehr Informationen dazu finden Sie hier) oder ein Impingement-Syndrom vorliegen.

Gründe für Schulterbeschwerden sind vielfältig und umfassen unter anderem Überbelastungen, Fehlstellungen, sowie falsche Bewegungen. Das hat zur Folge, dass viele Menschen von Schulterschmerzen betroffen sind: von Sportlern über Maler und Maurer bis hin zu Menschen, die viel am Computer arbeiten. Daher hilft es bereits die Muskulatur gezielt aufzubauen und Fehlhaltungen zu vermeiden, um Schmerzen entgegen zu wirken, beziehungsweise zu lindern.

Das Impingement-Syndrom kann auch eine Folge der sogenannten Kalkschulter (Tendinosis Calcarea) sein. Bei dieser Erkrankung kommt es durch eine chronische und wiederkehrende Entzündung im Sehnengewebe zu Kalkablagerungen in der Sehne beziehungsweise am Sehnenansatz. Damit ist die Ablagerung sowohl die Folge der chronischen Beschwerden als auch Auslöser des mechanischen Bewegungsproblems. Durch den Kalk wird die Sehne immer wieder gereizt, wodurch eine Art Teufelskreis zustande kommt. Zusätzlich stößt die Ablagerung bei bestimmten Bewegungen gegen benachbarte Knochenstrukturen. Die dazwischenliegenden Weichteile oder Schleimbeutel werden dadurch eingeklemmt und gereizt. Die Kalkschulter kann zu sehr starken Schulterschmerzen führen, typischerweise in der Nacht. Oft wird die Lebensqualität durch die Schmerzen und den Schlafentzug stark eingeschränkt. Körpereigene Mechanismen können den Kalk zwar abbauen, doch dauert der Prozess in der Regel länger als ein Jahr. Das ist aufgrund der quälenden Situation für die Betroffenen, ein unzumutbar langer Zeitraum. Injektionen mit kortisonhaltigen Medikamenten sind häufig kontraproduktiv, da Kortison die Kalkbildung fördern kann. Jedoch sind die Injektionen in manchen akuten Fällen die einzige Möglichkeit, die Beschwerden zu lindern. Mittelfristig sind jedoch andere Strategien der Behandlung notwendig. Eine Möglichkeit stellt die Physiotherapie dar. Insbesondere die fokussierte Stoßwellentherapie ist zur Behandlung der Kalkschulter sehr effektiv. Die Beschwerden bessern sich so oft innerhalb weniger Therapiesitzungen, die im Abstand von ein bis zwei Wochen erfolgen. Bereits nach wenigen Monaten ist die Auflösung der Kalkablagerung in Kontrollbildern meist gut erkennbar. In einigen wenigen Ausnahmefällen führen diese Methoden nicht zum Erfolg. Dann kann eine Operation notwendig werden . Diese birgt jedoch das Risiko einer (Teil)schädigung wichtiger Sehnen.